VirtualSchoolBuddies

Schule neu denken – In 48 Stunden von der Herausforderung zu den Virtual School Buddies

Ein Gastbeitrag von Julia Holze und Andrea Seitz.

Freitag, 18 Uhr. 43.000 Menschen haben sich angemeldet, um im Wir vs. Virus-Hackathon in den nächsten 48 Stunden an etwa 800 ausgewählten Herausforderungen zu arbeiten. Unser Thema: Wie können wir es Eltern ermöglichen von zuhause aus zu arbeiten, während ihre Kinder von zuhause unterrichtet werden müssen? Wir können wir unser Know-How zur Zusammenarbeit in der Schule auch in den digitalen Kontext übertragen?

Schüler:innen sind es nicht gewohnt, den ganzen Tag daheim zu sein und ihre Freunde nicht treffen zu können. Insbesondere Erstklässler:innen benötigen, weil sie noch nicht richtig lesen und schreiben können, mehr Erklärungen und Unterstützung – selbst bei ausgereiften Lehrkonzepten, die manche Lehrkräfte sehr engagiert in der Kürze der Zeit zur Verfügung gestellt haben. Für die Eltern ist es eine neue Erfahrung als Ersatz-Lehrkräfte, zumeist ohne didaktische Vorkenntnisse, parallel zu ihrem Berufsalltag ihre eigenen Kinder zu motivieren an den umfangreichen Aufgaben zu arbeiten. Und Lehrkräfte haben vielfach nicht die Erfahrung Unterrichtsstoff digital aufzubereiten oder ihnen fehlt der nötige Zugang zu Online-Tools und Software, die einen digitalen Unterricht unterstützt. Ganz zu Schweigen von rechtlichen Barrieren, die zusätzliche Unsicherheit schüren: Darf ich das im Rahmen der DSGVO überhaupt? In einigen Fällen muss eine E-Mail, durch die Elternvertreter:innen weitergeleitet, mit dem gescannten Aufgabenzettel reichen. Der sonst gewohnte persönliche Austausch fehlt, an vielen Stellen. Eine Situation, die auf allen Seiten zu Unzufriedenheit und besonderen Spannungen, in der ohnehin angespannten Situation aufgrund von Corona, führt.

Ein interdisziplinäres Team ist schnell gefunden: Rund 50 betroffene Eltern, Lehrkräfte, Innovationstreiber:innen und Bildungsexpert:innen, die sich teilweise bereits persönlich oder aus sozialen Medien kennen, kommen in einem Slack-Channel zusammen, der als Hauptkommunikationskanal dient und vom Hackathon-Veranstalter zur Verfügung gestellt wird. Die Besonderheit: Es treffen darunter auch zwei Pat:innen von Hackathon-Herausforderungen aufeinander, die sich vorher nicht kannten, und zusammen einen inhaltlich perfekten Match ergeben.

Mit Hilfe kollaborativer Tools und unter Anwendung von Design Thinking und Lean Startup-Methoden bilden sie das Projektmanagement während der 48 Stunden komplett digital ab. Das Team arbeitet also in virtuellen Räumen mit Videokonferenz, Messenger und Kanbanboard, um einen Prototypen für die Herausforderung zu entwickeln. Dieser Prototyp muss am Sonntag um 18 Uhr – also nach 48 Stunden – als 2-minütiges Pitchvideo auf die Hackathon-Plattform hochgeladen werden, um in die Jury-Wertung einzugehen. Parallel findet über das gesamten Hackathon-Wochenende das Familienleben statt.

Gemeinsam starten wir zunächst mit einer Problemanalyse der drei Stakeholder Lehrkräfte, Eltern und Schüler:innen. Wir gehen dabei der Frage nach, welche Aufgaben Schüler:innen, Pädagog:innen und Eltern haben, um Home Schooling zu ermöglichen? Was funktioniert dabei aktuell gut? Was sind die Herausforderungen?

Daraus ergaben sich zwei konkrete Handlungsfelder:

  1. Wie lassen sich der Unterricht zuhause und das Arbeiten im Home Office vereinbaren?
  2. Wie schaffen wir es in der Schule wirkungsvolle Zusammenarbeit anzuregen? Vor allem durch die jetzige Situation in digitaler Form und trotzdem noch auf einer persönlichen Ebene?

Es folgt eine Ideation Session, in der erste Ideen entwickelt werden und deren Ergebnis verschiedene Lernräume einer virtuellen Schule sind. Schnell entwickelt sich diese Ideen weiter zu einer Vision:

Wir denken Bildung komplett neu!
Unsere Vision ist ein Ort für Begegnung, für virtuellen Austausch und das Erleben von kollaborativer Zusammenarbeit. Wir bringen analoges und virtuelles Lernen zusammen. Aus New Work folgt für uns New School und New Learning. Wir streben eine Bildungslandschaft an, in der alle Akteure Spaß am Lernen, Kreativität, Individualität und Mut erleben. Die Beteiligten sollen auf neue Herausforderungen flexibel und reflektiert reagieren können. Individualisiertes Lernen spielt dabei eine herausragende Rolle. Individuell ist jedoch nicht gleichzusetzen mit alleine. Durch unser Matching vernetzen wir Menschen nicht nur untereinander auf allen Ebenen, sondern auch mit Inhalten. Lehrende setzen ihre Stärke gezielt als Lernbegleiter:innen ein. Lernende erhalten mehr Freiheit, was das örtliche, zeitliche und selbstbestimmte Lernen betrifft. Wir denken Lernen lebenslang und als Ökosystem, an dem alle teilhaben können.

Das bedeutet wir sind der zentrale Lernraum, der Plattformen und Menschen zusammen bringt. Dazu gehören:

  • Virtueller Schüler:innen-Raum: Hier schaffen wir einen Ort, an dem Schüler:innen strukturiert ihre Aufgaben erledigen und den Schultag gemeinsam verbringen können.
  • Virtueller Lehrer:innen-Raum: Hier wird das Schulkollegium untereinander und mit externen Expert:innen zum Austausch auf Augenhöhe vernetzt.
  • Virtueller Eltern-Raum: Hier werden die Bedürfnisse der Eltern nach Information und Interaktion auf individueller, Klassen- und Schulebene erfüllt.
  • Virtuelle Bibliothek: Hier findet die ganze Schulfamilie schnell Orientierung zu vorhandenen Materialien und Best Practices
  • Virtueller Pausenhof: Hier finden Schüler:innen Anregungen zu Erholung, Bewegung, Musik und Kunst und um mit anderen in Kontakt zu treten.

Die nächsten Stunden verwendet das Team zusammen mit drei IT-Partnern darauf, einen ersten Protoypen für das Matching im Lehrer:innen-Raum zu entwickeln und ausgereiftere Konzepte für die weiteren Räume sowie den Pausenraum auszuarbeiten. Parallel werden die Inhalte für ein klassisches sog. Pitchdeck mit Marktanalyse und Geschäftsmodell erarbeitet – eine Präsentation, die die technische Idee erläutert und ihre Besonderheiten im Vergleich mit ähnlichen Angeboten herausstellt. Dieses dient für die Jury mit als Entscheidungsgrundlage, um das Potential der Idee schneller bewerten zu können.

Pünktlich zur Deadline ist es geschafft! Erschöpft und überglücklich trifft sich das gesamte Team ein letztes Mal in einer Videokonferenz, um auf die letzten 48 Stunden anzustoßen. Doch wie geht es nun weiter? Am virtuellen Lehrer:innen-Raum arbeiten Andrea Seitz und Anna Ginkel im Rahmen ihres in der Gründung befindlichen SocialStartUp Team:werk weiter. Ein Gesamtlead für die VirtualSchoolBuddies wird gerade gesucht, ebenso wie weitere Teil-Leads die anderen virtuellen Räume weiter vorantreiben und ausgestalten möchten.

Mehr über das Projekt Virtual School Buddies erfahrt ihr auf DEVPOST.

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